Hanf, Miscanthus, Brennessel oder Raps – wer macht das Rennen?

Der Rohstoffpreisindex eines britischen Wirtschaftsmagazins hat in den letzten Jahren ein ca. 100 Jahren währenden Abwärtstrend signifikant nach oben durchbrochen. Die Preise der meisten Commodities kosten sehr viel mehr als noch um die Jahrtausendwende. In solchen Perioden werden auch wieder die nachwachsenden Rohstoffe wiederentdeckt. Weil auch die Preise für Agrarrohstoffe steigen, werden Nutzpflanzen wie Hanf, Micanthus oder Raps wieder vermehrt angebaut. Die Anbauflächen für Raps sind in den letzten Jahren förmlich explodiert. Der Grund ist die starke Nachfrage durch die Autofahrer, die vermehrt auf Biodiesel umsteigen. Trotz der expandierten Anbaufläche, leiden die traditionellen Nachfrager nach Raps unter dieser Nachfragekonkurrenz. So befürchten Margarineproduzenten, dass die Preise für die Endverbraucher steigen werden. Durch den Ausbau der Kapazitäten bei Biomassekraftwerken wird in den kommenden Jahren vermutlich auch die Nachfrage nach Miscanthus stark ansteigen.

Sehr viel vielseitiger ist dagegen die Hanfpflanze. Auch diese kann aufgrund des schnellen und gewaltigen Wachstums ideal als Biomasselieferant angebaut werden. Hinzu kommt aber die Tatsache, dass Hanf auch diverse stoffliche Nutzungen möglich macht. Hanf wird als Lieferant von reißfesten Naturfasern angebaut, die z.B. für die Herstellung von Naturtextilien aber auch von ökologisch unbedenklichen Baustoffen geeignet sind. Als Sekundärrohstoff der Faserproduktion fallen die Hanfschäben an. Die Hanfschäben sind das Ergebnis des Absprengens des holzigen Bestandteils des Stängels von den Pflanzenfasern. Zudem liefert die Hanfpflanze mit den Hanfnüssen ein sehr wertvolles Lebensmittel. Optimisten hoffen, dass eines Tages die Hanfblüte wie selbstverständlich zur Gewinnung von gut verträglichen Pharmazeutika genutzt werden können.

Etwas weniger bekannt ist der Sachverhalt, dass auch die heimische Brennessel eine Zukunft als nachwachsender Rohstoff in Deutschland hat. Auch die Brennessel liefert wie der Hanf eine hochwertige Textilfaser. Auch bei deren Gewinnung fallen - wenn auch im geringerem Umfang - Schäben an, die als Tiereinstreu oder Schüttdämmung Verwendung finden können. Zurzeit kann die Nachfrage nach Brennesselfasern nicht in Gänze gedeckt werden.

Die Entwicklung ist spannend und kann in dem einen oder anderen Blog hautnah mitverfolgt werden.

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